Der Sinn eines Praktikums

Praktikum - Wie, wann, wo und warum?


Karrierecoach Sabine Kanzler gibt die Antwort:

Mal ganz andere Fragen: Wie leben Sie eigentlich? Und wovon? Haben Sie ein Auto? Eine eigene Wohnung? Ein Zimmer in einer WG? Oder wohnen Sie noch zuhause? Und wie ist es mit Urlaub? So richtig, meine ich, mit Wegfahren....

Was diese Fragen mit der Suche nach einer Praktikumsstelle zu tun haben, fragen Sie sich jetzt sicher. Nun, sie haben mit der Frage zu tun, was Sie sich leisten können und möchten. Nach welchen Kriterien Sie sich für oder gegen eine Stelle entscheiden können oder müssen. Damit sind wir beim Geld! Und bei der Frage, wie wichtig für Sie die Vergütung ist, die Sie während Ihres Praktikums erhalten.

Praktika sind erste berufliche Erfahrungen und spielen eine wichtige Rolle, wenn nach dem Examen die Jobs vergeben werden. Deshalb ist es nicht nur wichtig, überhaupt Praktika vorweisen zu können, es sollen gerne auch welche sein, die relevant sind: inhaltlich, in Bezug auf die Branche... Also nicht irgendwo irgendeins, sondern.....ja, was eigentlich?

Manch ein Student bemüht sich um „gute Namen“ in seinem Lebenslauf. Dahinter steht nicht nur die Hoffnung, dass Namen wie Siemens, Daimler oder die Deutsche Bank später „etwas hermachen“ beim Personaler, wenn er sie liest. Man spekuliert auch oft, dass man übers Praktikum irgendwie in das Unternehmen „reinrutschen“ könnte. Nun, die genannten Unternehmen gehören zu Deutschlands beliebtesten Arbeitgebern, da rutscht man nicht so ohne weiters rein. Top – Arbeitgeber suchen Top – Absolventen. Wenn Ihre Studienergebnisse also eher mäßig sind, dann verlassen Sie sich lieber nicht auf diese Strategie. Sie engt Sie unnötig ein!

Fragen Sie sich lieber, was Ihnen das Praktikum bringen soll. Möglichkeiten gibt es, neben dem „namedropping“, viele. Und interessante Unternehmen auch, denn es existieren ja nicht nur die paar üblichen und überall bekannten Großkonzerne, bei denen man in einer Bewerberflut von hunderten untergeht.

Als (natürlich unvollständige und damit ergänzungsfähige) Anregungen, nach denen Sie sich Ihren individuellen Entscheidungskatalog für Ihre Praktikumssuche zusammenstellen sollten, zähle ich einfach mal ein paar Möglichkeiten auf:

Sie wissen noch nicht genau, wo es hingehen soll nach dem Examen und wollen verschiedene Branchen kennen lernen? Konzern oder Mittelständler – wo kommen Sie besser zurecht? Sie wollen in erster Linie praktische Erfahrungen sammeln – wo können Sie das am intensivsten? Sie studieren etwas, was gemeinhin unter „brotlose Kunst“ läuft und suchen Berufsfelder, die Sie irgendwann ernähren? Sie haben noch nie längere Zeit außerhalb Ihres Studienortes gelebt und gearbeitet und wollen jetzt einfach mal wissen, wie das ist? Oder ruft Neugier auf die Welt und Sie sind mutig und abenteuerlustig genug für ein Praktikum im Ausland?

Wenn Sie allerdings in erster Linie Geld brauchen, dann reduziert sich alles oben geschriebene auf die Frage „Wer zahlt am meisten?“ Das wäre schade! Von daher: Fixkostenblock überschaubar gestalten, das Ziel eines attraktiven und befriedigenden Jobs nach dem Examen fest im Auge.....und wenn es irgendwie geht ein paar Rücklagen bilden für kostspielige Zeiten!

Betrachten Sie die Zeit der Praktika als Investition in die Zukunft. Seien Sie neugierig, probieren Sie auch mal etwas aus. Je mehr Sie Neues erfahren und lernen können, umso besser. Und wenn Sie ein bisschen Glück haben und es richtig gut läuft, dann verdienen Sie auch gutes Geld dabei, erleben sozusagen "learning by earning"!

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