Krisenzeiten

Bewerben in Krisenzeiten?


Karrierecoach Sabine Kanzler gibt die Antwort:

„WIR KRISENKINDER - Jung, gut ausgebildet, chancenlos“ lese ich vor zwei Tagen im „Spiegel spezial“ über eine „ganzen Generation“ von Studenten. Hallo!!! Eine ganze Generation? Bis zum letzten Sommer waren Absolventen doch in einer ganzen Reihe von Berufsfeldern in der glücklichen Lage, unter mehreren Angeboten zum Berufseinstieg wählen zu können! Vorausgesetzt, sie waren örtlich einigermaßen mobil…. Gut, seit Herbst ist das erst mal vorbei…aber ist ein Dreivierteljahr denn gleich „eine ganze Studentengeneration“?

Mein erster und dringendster Rat also: Lassen Sie sich nicht verrückt machen! Es hat immer Wirtschaftskrisen gegeben und es wird sie immer geben. In den seltensten Fällen hatten sie eine Katastrophe wie die beiden Weltkriege zur Folge! Und die Relevanz von Presseberichten? Nun, Sie wissen auch, dass „Mann beißt Hund“ den höheren Aufmerksamkeitswert hat als „Hund beißt Mann“

Neben der realen Krise, die ich beileibe nicht wegdiskutieren möchte, gibt es immer die individuell erlebte Krise  und beide müssen nicht identisch wahrgenommen werden. Schauen Sie also, bevor Sie sich lemmigmäßig den Katastrophenaposteln anschließen, Ihren individuellen Arbeitsmarkt an, recherchieren Sie ausführlich (auch in Fachmedien), wie es in Ihrem angestrebten Berufsfeld aussieht – und entscheiden Sie dann, inwieweit Sie sich der allgemeinen Weltuntergangsstimmung anschließen!

Sie suchen Erfüllung im Beruf und damit auch Ihren Traumjob? Infomieren Sie sich über die Alternativen, die es gibt. Am Traumjob und am Traumunternehmen auf Biegen und Brechen festzuhalten liegt oft auch daran, dass Absolventen über alternative Berufsfelder zu wenig wissen.

Und darüber hinaus? Zu dem Thema, wie eine gute Bewerbung aussieht, schreibe ich jetzt nichts. Es gibt unzählige Bücher zum Thema, im Web auf den Seiten der Universtäten sogar kostenlose. Lesen Sie sie. Lesen Sie mehr als eines. Lesen Sie vor allem die unbequemen!

Erwarten Sie aus Massenpublikationen keine individuelle Antwort auf Ihre Frage, wie Sie am zielführendsten Ihre Qualifikation für einen Job darstellen. Die Anpassung auf Ihre spezielle Situation, auf Ihre Person müssen Sie selber vornehmen. Der – immer noch – beste Rat: Vermeiden Sie jede Form von Blabla, wie es alle schreiben, wie einzigartig und toll und kreativ und teamfähig und wer weiß was sonst noch Sie sind. Seien Sie authentisch, beschreiben Sie für den Leser nachvollziehbar (!!!), wer Sie sind und was für Sie als künftigen Mitarbeiter spricht.

Last, but not least: Verpassen Sie nicht die Chancen, die sich Ihnen bieten. Wenn Sie eine passende Stellenanzeige finden, dann schicken Sie keine 08/15-Bewerbung hin, wie Sie sie schon x mal vorher verfasst haben. Analysieren Sie die Anforderungen der Stellenanzeige, schauen Sie, was Sie über das Unternehmen, die Branche finden – und argumentieren Sie dann darauf bezogen in Anschreiben und Lebenslauf. Die Mühe lohnt sich!

Alles keine Patentrezepte, nicht? Wenn Sie den letzten Newsletter mit den Hinweisen, was man denn so im Vorstellungsgespräch anzieht, gelesen haben, dann haben Sie das aber auch nicht wirklich von mir erwartet. Oder etwa doch?

;-)

Trotzdem: viel Erfolg!!!!

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